Mikronwerte
Die Bedeutung der Faserstärke für Garne: Mikronwerte unter die Lupe genommen
Warum fühlt sich manche Wolle butterweich an, während andere auf der Haut kratzt? Ein entscheidender Faktor ist die Faserstärke, die in Mikron (µm) angegeben wird.
Der Mikronwert beschreibt den Durchmesser einer einzelnen Faser und gibt damit Aufschluss über Weichheit, Tragekomfort und Einsatzbereich eines Garns. Je feiner die Faser, desto angenehmer wird sie in der Regel auf der Haut empfunden.
Für Strickerinnen und Häklerinnen kann dieses Wissen bei der Garnauswahl sehr hilfreich sein. Schließlich soll ein fertiggestelltes Projekt nicht nur schön aussehen, sondern sich auch angenehm tragen lassen.
Was bedeutet der Mikronwert bei Wolle?
Ein Mikron (Mikrometer) entspricht einem Tausendstel Millimeter. Mit dieser Einheit wird die Dicke einzelner Wollfasern gemessen.
Die Faustregel lautet:
- unter 18 Mikron = besonders weich
- 18 bis 24 Mikron = angenehm tragbar
- über 25 Mikron = robust und widerstandsfähig
Der Mikronwert allein bestimmt zwar nicht die Qualität eines Garns, gibt jedoch einen guten Hinweis auf dessen Trageeigenschaften.
Warum sind feine Fasern weicher?
Je dünner eine Faser ist, desto leichter biegt sie sich beim Kontakt mit der Haut. Dadurch entsteht ein weiches und angenehmes Tragegefühl.
Dickere Fasern sind steifer und können die Haut stärker reizen. Das wird häufig als Kratzen wahrgenommen.
Deshalb eignen sich besonders feine Fasern für:
- Schals
- Tücher
- Pullover
- Babykleidung
- Mützen
Kräftigere Fasern kommen häufig bei:
- Jacken
- Hausschuhen
- Decken
- Outdoorbekleidung
- Wohnaccessoires
zum Einsatz.
Mikronwerte verschiedener Wollfasern


Merinowolle: Die beliebte Allrounderin
Merinowolle besitzt je nach Qualität meist Mikronwerte zwischen 15 und 24 Mikron.
Merinowolle kommt vom Merinoschaf, das ursprünglich aus Spanien stammt, heute aber vor allem in Australien, Neuseeland und Südamerika gezüchtet wird. Besonders feine Merinoqualitäten fühlen sich weich auf der Haut an und eignen sich hervorragend für Kleidungsstücke, die direkt getragen werden.
Typische Projekte:
- Tücher
- Pullover
- Babykleidung
- Mützen

Kaschmir: Luxus in seiner weichsten Form
Kaschmir zählt zu den feinsten Naturfasern überhaupt. Die Fasern liegen meist zwischen 14 und 19 Mikron.
Kaschmir stammt von der Kaschmirziege, die in den eisigen Höhen der Mongolei, Chinas, des Irans und Afghanistans lebt. Das Garn ist leicht, weich und bietet eine hervorragende Wärmeleistung bei geringem Gewicht.
Typische Projekte:
- Schals
- Tücher
- Pullover
- luxuriöse Accessoires

Alpaka
Typischer Mikronwert: ca. 18–30 Mikron
Alpaka ist die edle Faser aus Südamerika und stammt von den gleichnamigen Tieren, die in den Anden auf über 3.000 Metern Höhe leben. Alpaka-Wolle hat eine besondere Hohlfaserstruktur, die sie extrem leicht und wärmeisolierend macht. Alpaka gibt es in unterschiedlichen Qualitäten. Babyalpaka ist deutlich feiner als gewöhnliches Alpaka. Die Faser ist bekannt für ihren weichen Griff und ihre hervorragenden Wärmeeigenschaften. Ein weiterer Pluspunkt: Alpaka enthält kein Lanolin, wodurch es oft auch für Wollallergiker gut verträglich ist.
Typische Verwendung:
- Pullover
- Jacken
- Winteraccessoires

Vikunja
Typischer Mikronwert: ca. 10–13 Mikron
Vikunja-Wolle, auch bekannt als das "Gold der Anden". Vikunjas sind die wilden Verwandten der Alpakas und leben in den peruanischen Hochebenen auf über 4.000 Metern Höhe. Sie dürfen nur alle zwei Jahre geschoren werden und ein einzelnes Tier liefert dabei gerade einmal 200g Wolle. Das macht Vinkunja-Wolle zu einer absoluten Rarität und erklärt, warum ein Schal aus reinem Vikunja locker über 1.000€ kosten kann. Vikunja gilt als eine der feinsten Naturfasern der Welt und ist extrem leicht und temperaturregulierend.
Mohair
Typischer Mikronwert: ca. 23–38 Mikron
Mohair wird aus dem Haar der Angoraziege gewonnen. Ursprünglich stammt die Rasse aus der Türkei, heute wird sie unter anderem in Südafrika, den USA und Australien gezüchtet. Die Faser zeichnet sich durch ihren seidigen Glanz, ihre Leichtigkeit und ihre hohe Strapazierfähigkeit aus. Obwohl Mohair häufig höhere Mikronwerte als Merino oder Kaschmir besitzt, wird es oft als angenehm weich empfunden. Das liegt an der glatten Oberfläche der Fasern, die weniger rau wirkt als bei vielen anderen Wollarten. Mohair wird häufig mit anderen Fasern kombiniert und kommt besonders bei luftigen Tüchern, Pullovern und Beilaufgarnen zum Einsatz. Charakteristisch ist der leichte Flausch, der vielen Strick- und Häkelprojekten eine besondere Optik verleiht.
Wie wird der Mikronwert gemessen?
Damit klar ist, wie weich oder robust eine Faser wirklich ist, muss ihre Dicke genau bestimmt werden. Doch wie misst man etwas, das nur wenige Mikrometer dünn ist? Dafür gibt es verschiedene Methoden, die in spezialisierten Laboren angewendet werden.

Lasermikroskopie
Die präziseste Methode ist die Lasermikroskopie. Dabei wied die Faser unter ein hochauflösendes Mikroskop gelegt und mit einem Laserstrahl gescannt. Der Computer berechnet daraus den exakten Durchmesser der Faser und das mit einer Genauigkeit, die selbst die feinste Vikunja-Faser erfassen kann. Diese Methode ist extrem zuverlässig, allerdings auch teuer und aufwändig.
Luftstrommessung
Eine weitere Technik ist die Luftstrimmessung, auch bekannt als Airflow-Methode. Hierbei werden die Fasern in eine Kammer mit kontrolliertem Luftstrom gegeben. Je nachdem, wie stark die Fasern den Luftstrom abbremsen, kann man auf ihre Dicke schließen. Diese Methode ist besonders praktrisch für die schnelle Qualitätskontrolle großer Wollmengen, allerdings nicht ganz so präzise wie die Lasermikroskopie.
Lichtmikroskop
Die wohl traditionellste Methode ist die Projektion unter dem Lichtmikroskop. Dabei wird die Faser stark vergrößert und auf einem Bildschirm dargestellt, wo ein Techniker die Dicke manuell misst. Diese Methode ist zwar einfach und erfordert keine Hightech-Ausrüstung, aber sie ist anfälliger für Fehler, da sie stark von der Erfahrung der Messenden abhängt.
Wenn du also das nächste Mal vor einem Wollregal stehst oder durch einen Onlineshop stöberst und irgendwo über einen Mikronwert stolperst, weißt du jetzt: Diese kleine Zahl verrät mehr, als man auf den ersten Blick vermuten würde.
Natürlich entscheidet nicht allein der Mikronwert darüber, ob sich ein Garn angenehm anfühlt. Auch Verarbeitung, Spinnart und persönliche Vorlieben spielen eine wichtige Rolle. Trotzdem kann er eine hilfreiche Orientierung sein und manchmal sogar darüber entscheiden, ob ein Projekt zum absoluten Lieblingsteil wird oder doch eher ein Dasein im hinteren Teil des Kleiderschranks fristet.
Denn seien wir ehrlich: Nach Stunden voller Maschen, Reihen und vernähter Fäden möchte niemand feststellen, dass der fertige Schal zwar wunderschön aussieht, sich aber anfühlt wie eine liebevolle Umarmung von Schleifpapier.

