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Techniken

Lazy Tail Methode

Wann kommt die Lazy Tail Methode zum Einsatz?

Kleines Farbhighlight beim Fair Isle & Jacquard in Runden:

Beim klassischen Fair Isle oder Jacquard in Runden wird der Kontrastfaden standardmäßig über die gesamte Runde mitgeführt und auf der Rückseite eingewebt. Möchtest du jedoch nur ein kleines, isoliertes Highlight (wie einen einzelnen Motivpunkt) in einer anderen Farbe stricken, ist dieses dauerhafte Mitführen unpraktisch, macht das Gestrick dick und schränkt die Elastizität ein.

Lässt du den Kontrastfaden stattdessen einfach am Ende deines kleinen Highlights liegen und strickst die Runde mit der Grundfarbe zu Ende, entsteht ein Problem: Du bist wieder am Anfang des Highlights angekommen, aber dein Faden liegt am Ende des Musters – also auf der völlig falschen Seite.

Die Lazy Tail Methode ist die Lösung für genau diese falsche Fadenlage im Rundgestrick. Sie bietet eine clevere Fadenrückführung, die den Kontrastfaden ohne Abschneiden und ohne mühsames Einweben über die restliche Runde sicher zurück an den Anfang des Motivs transportiert. Da ich in der Handarbeitswelt bisher keine vergleichbare Lösung für dieses spezifische Runden-Problem gefunden habe, nutze ich diese Technik für ein sauberes Maschenbild und maximale Elastizität.

Ungerade Reihenzahlen beim Stricken in Reihen:

Ein ganz anderes Problem mit der Fadenlage entsteht, wenn du ein Projekt in Hin- und Rückreihen strickst – wie zum Beispiel einen zweifarbigen Schal oder ein Tuch. Möchtest du hier eine ungerade Anzahl an Reihen (wie eine einzelne Reihe, 3 oder 5 Reihen) in einer Kontrastfarbe stricken, strandet dein Faden unweigerlich am falschen Ende der Strickarbeit.

Da du am Ende einer ungeraden Reihe auf der gegenüberliegenden Seite ankommst, liegt der Faden für den nächsten Einsatz der Kontrastfarbe auf der völlig falschen Seite. Normalerweise müsstest du den Faden nun abschneiden, neu ansetzen und später mühsam die Enden vernähen.

Auch für diese Herausforderung in Reihen bietet die Lazy Tail Methode die perfekte Lösung. Sie funktioniert hier als eine clevere Fadenrückführung, die den Faden ohne Abschneiden und ohne dicke Kanten unsichtbar zurück an den Reihenanfang transportiert. Da ich bisher keine vergleichbare Lösung für dieses Problem bei ungeraden Reihenzahlen gefunden habe, nutze ich diese Technik in meinen Anleitungen für ein sauberes Finish ohne lästiges Fadenvernähen.

 

Wie funktioniert die Lazy Tail Methode?

Das Prinzip der Methode ist so einfach wie genial und funktioniert in jeder Situation, egal ob in Runden oder in Reihen nach genau demselben mechanischen Ablauf:

  • Farbeinsatz: Du strickst den Bereich in deiner Kontrastfarbe (das Runden-Highlight oder die ungerade Anzahl an Reihen).
  • Faden ablegen: Am Ende dieses Einsatzes legst du den Kontrastfaden auf der Rückseite der Arbeit einfach ab und strickst mit der Grundfarbe weiter. Der Faden bleibt genau dort liegen.
  • Der Schlaufen-Trick: Wenn du wieder an dem Punkt angelangt bist, an dem die Kontrastfarbe weitergestrickt werden soll, liegt der Faden am falschen Ende. Nun führst du den ruhenden Faden einfach als lockere Schlaufe (Loop) auf der Rückseite der Arbeit zurück an den Startpunkt und strickst ihn ganz normal weiter.

Der Vergleich zur Roosemine-Technik:

Das Legen dieser Schlaufe am Musteranfang ähnelt optisch und technisch der bekannten Roosemine-Technik. Während man dort jedoch dekorative Muster auf der Vorderseite des Strickstücks erzeugt, nutzen wir dieses Prinzip bei der Lazy Tail Methode rein funktional auf der Rückseite, um den Faden unsichtbar und clever zurückzuführen.

Wichtig für den perfekten Fadenlauf:

Das Muster bzw. der Kontrasteinsatz muss eine gerade Rundenzahl (oder eine entsprechende Symmetrie) haben. Nur so geht der Fadenlauf mathematisch perfekt auf, damit die Schlaufe präzise und ohne zu spannen wieder am logischen Anfang ankommt und das Maschenbild absolut flach bleibt.

 

Video-Anleitung: Schau mir über die Schulter

Weil man Strickkniffe am besten versteht, wenn man sie in Bewegung sieht, habe ich ein kurzes Video-Tutorial für dich vorbereitet. Darin zeige ich dir ganz entspannt Schritt für Schritt, wie locker der Faden auf der Rückseite liegen sollte. Du wirst sehen, wie einfach die Schlaufe von der Hand geht, damit dein Strickstück wunderbar weich bleibt, nichts spannt und deine Maschen perfekt zur Geltung kommen.

 

Gut zu wissen: Vorteile und Einschränkungen im Überblick

Das wirst du an der Methode lieben

  • Schluss mit Fäden vernähen: Ein echter Segen bei ungeraden Reihen. Kein ständiges Abschneiden und Neuansetzen der Wolle mehr.
  • Keine dicken Stellen: Weil du den Faden nicht mühsam einweben musst, bleibt dein Strickstück wunderbar leicht.
  • Herrlich elastisch: Die Rückseite bleibt flexibel, sodass sich nichts verzieht und deine Maschen perfekt sitzen.
  • Entspanntes Stricken: Kein Verheddern von mehreren Knäueln gleichzeitig auf dem Schoß.

Darauf solltest du in der Praxis achten:

  • Der Restfaden-Effekt: Nachdem du den zurückgeführten Faden wieder eingestrickt hast, bleibt am Ende der Schlaufe meistens noch ein kleines Stückchen Faden übrig. Dieses restliche Fadenstück muss im Nachgang Masche für Masche sanft durchgezogen werden, damit sich die Spannung perfekt verteilt ist
  • Nicht für Großflächen geeignet: Für durchgehende, flächendeckende Muster ist die Technik nicht gedacht. Sie glänzt wirklich nur bei kleinen, isolierten Highlights oder schmalen Streifenwechseln.
  • Fingerspitzengefühl bei der Länge: Wenn die Distanz zwischen den Einsätzen zu groß ist (z. B. über sehr viele Maschen), wird die Schlaufe auf der Rückseite zu lang, was das Nacharbeiten des Restfadens aufwendiger macht

 

Probier den ‚Lazy Tail‘ bei deiner nächsten Strickarbeit einfach mal ganz entspannt aus, deine Rückseite und deine Geduldsfäden werden es dir danken!