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Grundwissen

Richtige Größe für Strick- und Häkeloberteile

Warum sitzt mein Strick- oder Häkeloberteil nicht richtig?

Viele kennen das Problem: Ein Projekt ist fertig, sieht im ersten Moment perfekt aus und trotzdem stimmt etwas nicht. Es sitzt zu eng an der Brust, rutscht an der Schulter, wirkt unförmig oder fühlt sich einfach nicht so angenehm an, wie es sollte.

Dabei liegt die Ursache selten an der Handarbeit selbst oder am Muster. Viel häufiger entsteht das Problem dadurch, dass die Größe nicht richtig auf den Körper und das Material abgestimmt wurde.

Und damit diese Unsicherheiten in Zukunft gar nicht erst entstehen, erfährst du nun alles über die perfekte Passform für dein nächstes Oberteil.

 

Allgemeine Größen bei Damenoberteilen

Damenoberbekleidung wird in Europa in Konfektionsgrößen von etwa 32-60 eingeteilt. Diese Größen basieren auf Durchschnittswerten und dienen als erste Orientierung.

Da jeder Körper jedoch unterschiedlich gebaut ist, kann dieselbe Größe bei zwei Personen verschieden sitzen, abhängig von Schulterbreite, Brustform und Proportionen.

 

Tabelle mit verschiedenen Größenangaben in Zentimenter von Größe 32 bis 60

So findest du deine passende Größe

Die wichtigste Grundlage ist der Brustumfang. Er entscheidet bei den meisten Oberteilen über die richtige Größe. Ergänzend können Schulter- und Körpermaße helfen, die Passform genauer einzuordnen.

Eine detaillierte Größentabelle hilft dir dabei, deine Maße sicher zuzuordnen. Die Tabelle ist Grundlage für alle Fräulein Gerda Designs.

PDF-Datei Größentabelle Damen

 

Warum Größe beim Stricken und Häkeln kein fester Wert ist

Im Gegensatz zur Konfektion ist eine Größe wie 38 oder 42 keine feste Norm, sondern nur ein Ausgangspunkt.

Ein fertiges Projekt entsteht immer aus dem Zusammenspiel mehrerer Faktoren:

  • Körpermaß
  • Maschenprobe
  • Konstruktion
  • Mehrweite
  • Materialverhalten nach dem Waschen

Schon kleine Abweichungen reichen aus, damit zwei Projekte mit derselben Anleitung unterschiedlich ausfallen.

 

Körpermaß vs. Fertigmaß - der wichtigste Unterschied

Ein häufiger Denkfehler ist, dass die Anleitung direkt dem Körper entspricht. Tatsächlich wird jedoch immer zwischen zwei Werten unterschieden:

Das Körpermaß beschreibt deinen echten Umfang, während das Fertigmaß das gestrickte oder gehäkelte Ergebnis ist. Dazwischen liegt die sogenannte Mehrweite oder Wohlfühlweite.

-> genau dieser Bereich entscheidet über den Sitz. In meinen Anleitungen wird immer das Fertigmaß angegeben.

 

Wohlfühlweite - warum wenige Zentimeter alles verändern

Die Wohlfühlweite/Mehrweite bestimmt, wie ein Oberteil am Körper fällt. Sie ist einer der wichtigsten Steuerfaktoren bei der Passform. 

  • 0 - 5 cm: körperbetont
  • 5 - 10 cm: klassischer, bequemer Sitz
  • 10 - 20 cm: locker bis oversized

 

Stricken und Häkeln - warum die Technik alles verändert

Die gewählte Technik beeinflusst die Passform stärker, als viele denken.

  • Stricken: Hier entsteht die Form durch elastische Maschen. Abnahmen, Zunahmen und verkürzte Reihen sorgen dafür, das sich das Material gut an den Körper anpasst. Ergebnis: weich, flexibel, fließend
  • Häkeln: Hier entsteht die Form durch eine stabilere Struktur aus Reihen, Flächen oder Modulen. Ergebnis: formstabil, klar, weniger dehnbar

 

Konstruktion und Schultern

Warum die Schulter mehr Einfluss hat als viele denken

Wenn ein Strick- oder Häkeloberteil trotz passender Größe nicht richtig sitzt, liegt die Ursache oft nicht am Brustumfang oder an der gewählten Mehrweite. Häufig spielt die Schulter eine entscheidende Rolle.

Die Schulter bildet die Grundlage für die gesamte Passform. Von hier aus verlaufen Ärmel, Ausschnitt und Oberkörper. Ist dieser Bereich nicht optimal konstruiert, kann ein Oberteil spannen, verrutschen oder anders fallen als geplant, selbst wenn die übrigen Maße stimmen.

Sowohl beim Stricken als auch beim Häkeln gibt es verschiedene Schulter- und Ärmelkonstruktionen. Dazu gehören beispielsweise Raglan, Rundpasse, eingesetzte Ärmel, überschnittene Schultern oder Sattelkonstruktionen. Jede Variante verteilt Weite und Bewegungsfreiheit etwas anders und beeinflusst damit den späteren Sitz des Oberteils.

Besonders bei Häkelprojekten sollte die Schulter nicht unterschätzt werden. Da gehäkelte Stoffe meist weniger elastisch sind als Gestrick, wirken sich kleine Abweichungen oft stärker auf die Passform aus.

 

Die Konstruktion beeinflusst die Passform

Mit der Konstruktion ist gemeint, wie ein Oberteil aufgebaut und gearbeitet wird. Sie legt fest, wo Zu- und Abnahmen erfolgen, wie Ärmel und Schultern entstehen und wie sich die Passform über den Körper verteilt.

Die Konstruktion entscheidet also nicht über die Größe selbst, sondern darüber wie diese Größe am Ende am Körper sitzt.

Ein Einfaches Beispiel: Zwei Pullover können denselben Brustumfang haben und damit theoretisch dieselbe Größe besitzen. Trotzdem können sie völlig unterschiedlich wirken. Der eine fällt locker und bequem, der andere sitzt eher körpernah oder betont die Schultern stärker.

Der Grund dafür liegt in der Konstruktion!

 

Datenblatt für deine perfekten Oberteile

Alle wichtigen Daten auf einen Blick

Genau dafür habe ich ein praktisches Datenblatt entwickelt. Auf zwei Seiten kannst du alle wichtigen Informationen zu deinem Projekt übersichtlich eintragen und dauerhaft dokumentieren.

Das Datenblatt gibt es jeweils in einer Version für Strickprojekte und für Häkelprojekte, sodass die Besonderheiten beider Techniken berücksichtigt werden können.

👉 Hier findest du das Datenblatt zum Ausfüllen

Besonders praktisch: Das Datenblatt eignet sich hervorragend für deinen persönlichen Sammelordner. So hast du deine Maße, Berechnungen und Projektdaten jederzeit griffbereit und kannst bei zukünftigen Oberteilen auf bereits gesammelte Erfahrungen zurückgreifen.

Mit der Zeit entsteht daraus eine wertvolle persönliche Passform-Sammlung, die dir hilft, Größen und Anpassungen immer besser auf deine eigenen Bedürfnisse abzustimmen.

 

So passt du jede Anleitung an deine eigene Körpergröße an

Mehr Platz an Brust und Oberweite

Reicht die Weite im Brustbereich nicht aus, können zusätzliche Zunahmen unter den Armen oder entlang vorhandener Zunahmelinien eingearbeitet werden.

Bei Top-Down-Konstruktionen erfolgt dies häufig nach dem Trennen von Körper und Ärmeln. So entsteht zusätzliche Weite genau dort, wo sie benötigt wird, ohne dass Schultern oder Ausschnitt verändert werden.

Wie viele Maschen dafür benötigt werden, lässt sich über die Maschenprobe berechnen.

Beispiel: Deine Maschenprobe ergibt 20 Maschen auf 10 cm. Du möchtest am Brustumfang insgesamt 5 cm mehr Weite erreichen. 5 cm entsprechen bei dieser Maschenprobe 10 Maschen. Da Vorder- und Rückenteil gleichmäßig angepasst werden sollen, werden diese 10 Maschen auf beide Seiten verteilt.

So kannst du bereits vor Beginn berechnen, wie viele zusätzliche Zunahmen notwendig sind.

Mehr Bewegungsfreiheit im Armbereich

Wenn Oberteile unter den Armen spannen oder die Ärmel zu eng wirken, fehlt häufig nicht die Gesamtweite, sondern die Tiefe des Armlochs.

In diesem Fall können vor dem Trennen von Körper und Ärmeln zusätzliche Reihen oder Runden gearbeitet werden. Dadurch entsteht mehr Platz im Achselbereich und die Bewegungsfreiheit verbessert sich deutlich.

Anpassungen für breitere oder schmalere Schultern

Sitzen die Schultern nicht an der richtigen Stelle, sollte nicht automatisch eine andere Größe gewählt werden.

Oft genügt es, die Schulterbreite anzupassen oder eine andere Konstruktion zu wählen. Besonders Raglan, Rundpasse, überschnittene Schultern oder eingesetzte Ärmel reagieren unterschiedlich auf Veränderungen im Schulterbereich.

Mehr Weite an Taille oder Hüfte

Viele Frauen benötigen an Brust, Taille und Hüfte unterschiedliche Größen.

Durch gezielte Zu- oder Abnahmen zwischen Brust, Taille und Hüfte lässt sich die Silhouette individuell formen. So kann beispielsweise im Brustbereich Größe 44 und im Hüftbereich Größe 46 gearbeitet werden, ohne dass das gesamte Oberteil eine Nummer größer gestrickt oder gehäkelt werden muss.

Länge individuell anpassen

Auch die Körperlänge wird in vielen Anleitungen nur durchschnittlich berücksichtigt.

Wer einen längeren oder kürzeren Oberkörper hat, kann zusätzliche Reihen oder Runden vor Taille, Hüfte oder Saum einarbeiten. Dasselbe gilt für Ärmel.

Erreichst du beispielsweise 28 Reihen auf 10 cm und möchtest dein Oberteil 5 cm länger arbeiten, benötigst du etwa 14 zusätzliche Reihen.

💡 Die meisten Anpassungen betreffen nur einzelne Bereiche des Oberteils. Oft reichen wenige zusätzliche Maschen oder Reihen aus, damit ein Modell deutlich besser sitzt und zu den eigenen Proportionen passt.

 

Ein wichtiger Perspektivwechsel

Wenn ein Strick- oder Häkeloberteil nicht richtig sitzt, wird oft zuerst die Anleitung oder die Designer:in verantwortlich gemacht. Dabei ist eine Anleitung kein exakter Bauplan für jede einzelne Körperform, sondern immer ein Ausgangspunkt auf Basis von Durchschnittsmaßen und typischen Proportionen. Der eigene Körper weicht davon fast immer in mehreren Punkten ab. Genau deshalb kann ein Projekt trotz korrekter Umsetzung anders ausfallen als erwartet.

Statt zu fragen „Warum passt die Anleitung nicht?“ hilft oft eher die Frage: „Welche Teile passen nicht zu meinem Körper und wie kann ich sie anpassen?“

Viele Anleitungen werden online sehr schnell kritisch bewertet, manchmal auch mit sehr harschen Kommentaren. Genau das ist einer der Gründe, warum ich persönlich lange gezögert habe, Oberteile zu designen. Denn man weiß eigentlich: Es wird nie für jede Person zu 100 % perfekt passen, dafür sind unsere Körper einfach zu unterschiedlich.

💛 Und genau das ist der entscheidende Punkt:
Nicht die perfekte Anleitung macht ein gutes Oberteil, sondern das Verständnis dafür, wie man sie an den eigenen Körper anpasst.