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Teeklatsch

Was eine Strick- oder Häkelanleitung WIRKLICH kostet

links Text: und warum ich die Reißleine gezogen habe, rechte Seite: Wollchaos auf Holztisch

Mach es dir erst mal mit einer heißen Tasse Tee und den Nadeln auf dem Sofa gemütlich. Bevor wir tief in den Pott greifen, müssen wir über etwas reden, das mir nach einem verwirrenden Instagram-Moment und vielen schlaflosen Nächten im Kopf herumschwirrt.


Neulich las ich unter einem Beitrag (wobei, seien wir ehrlich: Es ist nicht das erste Mal) den charmanten Satz: „Dafür Geld zu verlangen ist unverschämt.“ Puh. Da musste ich erst mal schlucken, die Maschen zählen und tief durchatmen. Denn Hand aufs Herz: Wenn eine gut ausgearbeitete Strick- oder Häkelanleitung im Shop für ein paar Euro zu haben ist, zucken manche kurz zusammen. Dabei verbirgt sich dahinter ein ganzer Eisberg an Arbeit, den man auf den ersten Blick schlicht und einfach nicht sieht und die Anfeindungen, denen wir Designer:innen uns in der Handarbeitswelt regelmäßig aussetzen müssen (vom Vorwurf des „Ideen-Klauens“ ganz zu schweigen), machen die Sache nicht leichter.


Zeit für einen ehrlichen Teeklatsch: Was kostet eine Handarbeitsanleitung eigentlich wirklich in der Herstellung – und warum habe ich jetzt die Reißleine gezogen?

 

Der unsichtbare Weg: Was passiert, bevor die Anleitung digital wird?

Eine Anleitung ploppt nicht einfach so aus dem Nichts in den Shop, während ich nachts schlafe (schön wär’s!). Bis du eine übersichtliche PDF in den Händen hältst, fließt eine Menge Herzblut, Tee und graue Zellen hinein. So sieht der kreative Marathon bei Fräulein Gerda aus:

  • Idee & Designentwicklung: Jedes Projekt fängt mit mindestens 10 Ideen im Kopf an (von denen mindestens 9 wieder verworfen werden, in den meisten Fällen bleibt von der Anfangsidee nichts mehr übrig), danach geht es mit Skizzen, Schnitten und dem Traum vom perfekten Maschenbild weiter.
  • Garn-Marathon: Welche Wolle harmoniert perfekt mit dem Design? Ich teste verschiedene Garne und Zusammensetzungen, bis alles sitzt.
  • Mathematik-Exzess (bei Oberteilen): Maschenproben werden gestrickt und für sämtliche Größen akribisch durchgerechnet. Da glüht der Taschenrechner!
  • Probearbeiten & eigene Testrunden: Bevor überhaupt jemand anderes die Nadeln schwingt, arbeite ich das Design selbst intensiv probe. Diese zeitintensiven Runden sind in den folgenden Stunden noch nicht einmal eingerechnet! Danach folgen die Testrunden mit meinen wunderbaren Teststricker:innen, um auch den letzten Stolperstein auszumerzen (oftmals 2-3 Runden)
  • Layout & Fotos: Das Feedback der Tester fließt ein, Fotos werden geschossen (ab diesem Zeitpunkt muss auch der Ehemann mit ran), ein hübsches Layout wird designt
  • Support: Und das oft noch Jahre nach dem Kauf, wenn irgendwo eine Masche klemmt.

 

Rechnen wir mal nach: Der reale Wert und die Plattform-Falle

Wenn wir all diese Schritte zusammenzählen, sprechen wir von einem echten Brocken Arbeit. Pro Anleitung stecken im Schnitt 30 bis 80+ Stunden pure Handwerkskunst und Organisation drin (wie gesagt: mein eigenes Probestricken noch gar nicht mitgezählt).


Machen wir den Realitäts-Check und rechnen das Ganze mal ganz nüchtern mit dem gesetzlichen Mindestlohn von 13,90 Euro pro Stunde durch:

  • Bei 30 Stunden Arbeit liegt der reine Arbeitswert bei stolzen 417 Euro.
  • Bei 80 Stunden landen wir bei satten 1.112 Euro (jeweils komplett ohne Materialkosten!).

Und jetzt vergleichen wir das mit einem regulären Anleitungspreis von etwa 6,50 Euro:
Ohne Abzüge bedeuten das

  • 109 Verkäufe für meinen Mindestaufwand
  • 291 Verkäufe für den höheren Aufwand

 

Doch jetzt kommt das eigentliche Problem: Die Plattform-Falle, das Steuer-Ärgernis und die echten Betriebskosten.

Wenn ich meine Anleitungen über große Plattformen verkaufe, greifen dort happige Gebühren, teils bis zu 30 %. Hinzu kommt das Thema Mehrwertsteuer: Obwohl ich als Kleinunternehmerin gar nicht steuerpflichtig bin und eigentlich keine Mehrwertsteuer ausweisen müsste, behalten viele dieser Plattformen die Mehrwertsteuer trotzdem ein.
Sobald diese Posten abgezogen werden, schrumpft mein Gewinn pro verkauftem Exemplar massiv.

Das bedeutet im Klartext: Die Anzahl der Anleitungen, die ich verkaufen muss, um überhaupt erst meine Kosten zu decken, erhöht sich drastisch.

Und selbst wenn diese Hürde genommen ist? Dann habe ich mit viel Glück gerade einmal die Kosten gedeckt, aber von „Leben“ kann noch lange keine Rede sein. Denn von dem, was übrig bleibt, muss schließlich auch noch die normale Einkommensteuer bezahlt werden. Dazu kommen laufende Kosten wie Strom, teure Design- und Grafikprogramme, unerwartete Ausgaben (wenn mal wieder der Laptop den Geist aufgibt) oder Investitionen in das YouTube-Studio, damit ich dir Techniken und Schritte in Videos endlich noch besser und verständlicher erklären kann.
Hinzu kommt, dass viele Anleitungen diese Verkaufszahlen auf Plattformen schlichtweg erst nach Jahren oder sogar nie. erreichen Das ist am Ende reine Liebe zum Hobby und zum Design, aber wirtschaftlich ein absoluter Drahtseilakt.

 

Warum ich jetzt die Reißleine ziehe

Mein eigener Shop ist seit Mai online und noch ganz frisch und das aus gutem Grund. Vorher lief bei mir fast alles über große Marktplätze.

Ich nutze nach wie vor einige externe Plattformen, weil dort viele internationale  Kund:innen unterwegs sind und an dieser Stelle zeigt sich ein spannender Unterschied: Internationale Kund:innen sind oft wesentlich aufgeschlossener gegenüber dem Wert einer Anleitung und zahlen faire Preise ganz selbstverständlich. Im deutschsprachigen Raum erlebe ich das dagegen leider ganz anders. Hier ist die Scheu oder gar die Kritik beim Thema Preis oft extrem groß.

Am Ende des Monats blieb von dem kleinen Betrag kaum noch etwas übrig. Wer als Designerin fair wirtschaften und von der eigenen Arbeit leben möchte, kann bei diesen Bedingungen nicht mehr wegsehen. Die Rechnung ging hinten und vorne nicht mehr auf und ich musste die Reißleine ziehen.

 

Wo du kaufst, macht den echten Unterschied!

Genau deshalb ist dieser Punkt das Herzstück des ganzen Themas und mein allergrößtes Anliegen an dich: Du hast es in der Hand!
Wenn du deine Anleitungen direkt hier bei mir im Shop kaufst und nicht über die großen Plattformen, triffst du eine bewusste Entscheidung. Du machst damit einen echten, spürbaren Unterschied für mich als Designerin:

  • Dein Geld landet dort, wo die Arbeit gemacht wurde: Es fließt nicht in die Taschen anonymer Portale, sondern direkt dorthin, wo die Nadeln glühen und die Arbeit investiert wurde.
  • Du hältst das Handwerk am Leben: Nur wenn sich faire Bedingungen lohnen, können wir Designerinnen weiterhin stunden- und wochenlang an perfekten, fehlerfreien Anleitungen tüfteln.
  • Du zeigst echte Wertschätzung: Du unterstützt den direkten Weg, ohne dass sich Mittelsmänner an unserer kreativen Arbeit bereichern.

Vielen Dank, dass du genauer hinschaust, den Wert hinter unseren Nadeln siehst und meine Arbeit so unglaublich unterstützt.
In diesem Sinne: Mach es dir gemütlich, schnapp dir die Nadeln und lass uns die Handarbeitswelt ein Stück fairer machen.

Unterschrift Bianca

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