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Techniken

Fair Isle stricken

Fair Isle. Zwei Wörter, die bei manchen leuchtende Augen auslösen und bei anderen der blanke Horror.
Dabei ist Fair Isle stricken eigentlich viel entspannter, als sein Ruf vermuten lässt. Zwei Fäden, ein bisschen Übung, und plötzlich entstehen Muster, bei denen andere Leute fragen, ob du das wirklich selbst gemacht hast. (Ja! Ja, hast du. Nimm das Kompliment an.)

In diesem Beitrag bekommst du alles, was du für den Einstieg ins Fair Isle Stricken brauchst:

  • die passende Garnwahl
  • die richtige Farbkombination
  • das Prinzip der Farbdominanz
  • die Steek-Technik zum Aufschneiden rund gestrickter Projekte
  • inklusive Video-Workshop mit Hausaufgaben zum Mitstricken.


Welches Garn eignet sich fürs Fair Isle Stricken?

Fürs Fair Isle Stricken eignet sich am besten reine Schurwolle in mittlerer bis dünner Stärke, stark verzwirnt und mit glatter Oberfläche. Warum genau diese Kombination den Unterschied macht, zeig ich dir hier:
  • Die Fasern: Schurwolle hat von Natur aus Elastizität und “verhakt” sich leicht mit sich selbst. Das klingt erstmal chaotisch, hilft dir aber enorm dabei, die Spannfäden auf der Rückseite gleichmäßig zu halten. Baumwolle oder Seide gehen auch, verlangen aber etwas mehr Geduld und ein wacheres Auge.
  • Die Stärke: Mittlere bis dünne Garne, wie Sockenwolle, Sport- oder DK-Qualität sind hier ganz klar die Favoriten. Sie zeigen feine Muster viel klarer, als es ein dickes Garn je könnte, bei dem alles schnell etwas verwaschen wirkt.
  • Die Verzwirnung:  Klingt technisch, ist aber simpel: Stark verzwirntes Garn hält die Maschen definiert und lässt dein Muster knackig aussehen.
  • Die Oberfläche: Glatte, gleichmäßige Garne lassen dein Muster klar erscheinen. Flauschige oder haarige Garne dagegen schlucken jedes Detail.

Wie wählt man Farben, die beim Fair Isle Stricken harmonieren?

Farben harmonieren beim Fair Isle Stricken am besten, wenn sie sich in Helligkeit oder Sättigung deutlich unterscheiden. Kontrast ist hier wichtiger als “Lieblingsfarben, die irgendwie zusammenpassen könnten”.

Ein paar Strategien, die wirklich helfen:

FarbkreisKontraste nutzen. Damit ein Muster wirklich zur Geltung kommt, brauchst du Unterschiede in Helligkeit oder Sättigung. Zwei Farben, die sich zu ähnlich sind, verschwimmen einfach ineinander – das Muster ist dann zwar technisch da, sieht man aber nicht.

Ein bisschen Farbtheorie hilft. Komplementärfarben, also die, die sich im Farbkreis gegenüberliegen (Blau und Orange zum Beispiel), erzeugen richtig kräftigen Kontrast. Analoge Farben, die nebeneinander liegen, wie Blau und Grün, wirken sanfter und harmonischer. Beides hat seinen Charme, du musst nur wissen, welchen Look du willst.
Ton-in-Ton geht auch. Wer es lieber dezent mag, kombiniert verschiedene Schattierungen derselben Farbfamilie. Wichtig ist trotzdem: auch hier brauchst du helle und dunkle Töne, sonst verschwindet das Muster wieder in sich selbst.
Inspiration findest du überall. Ein Herbstwald, ein Sonnenuntergang, ein Lieblingsgemälde, ein Stoffmuster, das dir seit Wochen im Kopf herumspukt... nimm es als Ausgangspunkt für deine Farbpalette.
Und dann: Probestricken. Ich weiß, niemand mag das. Aber ein Garn im Knäuel sieht oft komplett anders aus als im fertigen Muster. Ein kleines Probestück erspart dir das böse Erwachen bei Reihe 40.


Was ist Farbdominanz beim Fair Isle Stricken?

Farbdominanz bestimmt, welche der beiden Farben in einem Fair-Isle-Muster stärker hervortritt. Gesteuert wird sie allein durch die Fadenführung, nicht durch die Farbe selbst. Das ist der Punkt, an dem viele beim zweifarbigen Stricken straucheln, und ehrlich gesagt: völlig zurecht, denn es klingt komplizierter, als es ist.
Die Farbe, die dominanter wirken soll, führst du konsequent unter der anderen. Der Faden liegt also näher an der Nadel, wenn er gerade nicht gestrickt wird.
Praktisch heißt das: Hältst du die beiden Fäden in der linken Hand, liegt die dominante Farbe links, die zweite rechts. Der linke Faden legt auf der Rückseite eine etwas längere Strecke zurück und tritt dadurch auf der Vorderseite prominenter hervor.
Die eine Regel, die wirklich zählt: Konsistenz. Einmal entschieden, welche Farbe dominiert, dann musst du unbedingt über das ganze Projekt hinweg dabei bleiben. Ein Wechsel mittendrin und dein Muster sieht plötzlich unruhig aus, ohne dass du genau sagen kannst, warum.


Was ist Steeken und wofür braucht man es?

Steeken bezeichnet das Aufschneiden eines in Runden gestrickten Projekts entlang zusätzlicher, vorher eingeplanter Maschen. So lassen sich Öffnungen für Westen und Cardigans schaffen, ohne dass du in Reihen hin und her stricken musst. “Steek” klingt nach einer Mischung aus schwedischem Möbelstück und Drohung, ist aber tatsächlich eine der praktischsten Techniken beim Fair Isle Stricken.
Ein Steek ist ein schmaler Bereich zusätzlicher Maschen, den du bewusst einplanst, um ihn später aufzuschneiden. Der Trick: Du strickst dein Projekt komplett in Runden, was bei mehrfarbigen Mustern deutlich einfacher ist, weil du dich nur mit rechten Maschen beschäftigen musst und keine Spannfäden auf der Rückseite hin- und herjonglieren musst. Erst danach schneidest du auf, wo eigentlich eine Öffnung hin sollte.
Für den Steek selbst reichen meist 5 bis 7 zusätzliche Maschen, die du direkt beim Anschlag mit einplanst. Und bevor du jetzt in Panik verfällst: Bevor geschnitten wird, wird gesichert. Drei Methoden haben sich bewährt:
  • Mit der Nähmaschine: zwei parallele Zickzacknähte links und rechts der geplanten Schnittlinie (meine liebste Methode)
  • Von Hand: ein Rückstich entlang der Schnittlinie
  • Gehäkelt: eine feste Maschenkante entlang der Steekmaschen
Alle drei tun im Grunde dasselbe... sie halten die Maschen fest, damit beim Schnitt nichts ausfranst. Und ja, der erste Schnitt fühlt sich einfach nur schrecklich an.


Fair Isle Stricken lernen: Dein Video-Workshop

Genug Theorie, es ist Zeit, das Ganze in die Hand zu nehmen. In meiner YouTube-Serie “Fair Isle stricken” begleite ich dich Schritt für Schritt durch genau die Punkte, die wir gerade besprochen haben. Und weil graue Theorie ohne Übung nichts bringt, gibt’s zu jedem Video eine kleine Hausaufgabe für deinen Sammelordner.

Video 1: Die Technik des Fair Isle Strickens – Erste Schritte

Hier geht’s direkt ans Stricken. Ich zeige dir Schritt für Schritt, wie du die ersten Maschen ganz problemlos strickst und mit welcher Technik ich die Fäden halte.
Hausaufgabe 1     ·     Hausaufgabe 2


Video 2: Fäden einweben

Du lernst, wie die Spannfäden auf der Rückseite mit eingewebt werden. Das ist der Unterschied zwischen einem Strickstück, das elastisch bleibt und sauber sitzt – und einem, bei dem sich beim Anziehen plötzlich ein Finger in einer Fadenschlaufe verfängt. Als Faustregel: Ab etwa 5 Maschen ohne Farbwechsel solltest du einweben, damit keine zu langen Spannfäden entstehen.


Video 3: Rundenübergang kaschieren

Ein kurzes, aber wichtiges Detail: Gerade bei runden Projekten wie Mützen, Socken oder Ärmeln können sichtbare Rundenübergänge die Optik stören. Ich zeig dir einen einfachen Trick, mit dem deine Muster nahtlos ineinander übergehen.


Video 4: Linke Maschen stricken

Ich versuche linke Maschen so gut es geht zu vermeiden und stricke sie nur bei Sockenbündchen oder Ähnlichem, ansonsten läuft bei mir alles in rechten Maschen, das kommt dem Strickfluss und der Musteroptik einfach zugute. Trotzdem gehört die linke Masche ins Repertoire, und beim Fair Isle Stricken ist es besonders wichtig, dass sie gleichmäßig und sauber sitzt.


Video 5: Steek sichern und aufschneiden

Jetzt geht’s ans Eingemachte. Wir sprechen übers Sichern und Aufschneiden deiner Strickprojekte, auch bekannt als “Steeking”.

Es gibt 3 Methoden:
  • Vernähen mit der Nähmaschine
  • feste Maschen häkeln
  • Handnaht

Ich zeige dir Schritt für Schritt, wie du dein Strickstück sicher vorbereitest, damit beim Aufschneiden nichts schiefgeht.


Schau dir die Videos an, probiere die Tipps aus, und habe vor allem Spaß am Stricken. Ich freu mich schon darauf, deine Fortschritte in meiner Facebookgruppe zu sehen.

Unterschrift Bianca

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