Skip to content

Cart

Your cart is empty

Teeklatsch

Muss ich als Designerin Angst vor KI haben?

Ein Kommentar, eine Tasse Tee und meine ehrliche Meinung zur künstlichen Intelligenz in der Kreativbranche

Neulich bekam ich unter einem meiner Beiträge einen Kommentar, der ungefähr so begann:

"Es kann auch dich treffen."

Danach folgte eine lange Erklärung darüber, wie Bilder geklaut, von KI verarbeitet, erweitert und schließlich als eigene Werke verkauft werden könnten. Wie Menschen damit Geld verdienen würden. Wie Meta uns Kreative nicht schützen würde. Und warum wir aus Solidarität vielleicht besser komplett auf KI verzichten sollten.

Ich habe den Kommentar gelesen. Dann noch einmal.

Und dann habe ich mir erstmal eine Tasse Tee gemacht.

Nicht, weil ich den Kommentar lächerlich fand. Ganz im Gegenteil. Hinter solchen Aussagen steckt oft eine echte Sorge. Die Sorge, dass kreative Arbeit an Wert verliert. Dass Erfahrung plötzlich weniger zählt. Dass Maschinen das übernehmen, wofür Menschen jahrelang gelernt, ausprobiert und gearbeitet haben.

Das sind wichtige Fragen. Aber die Antworten sind meistens etwas komplizierter als die Schlagzeilen.

Und während ich da saß und meinen Tee getrunken habe, ist mir aufgefallen, wie vertraut mir diese Art von Gesprächen inzwischen ist. Nur das Thema ändert sich.

Früher war es die Angst vor digitalen Anleitungen. Dann kamen Social Media. Dann Canva. Dann Etsy. Und jetzt eben künstliche Intelligenz.

Das Muster bleibt erstaunlich gleich: Etwas Neues taucht auf, und erstmal wirkt es wie das Ende von allem, was man kennt.


Die eigentliche Angst hat oft gar nichts mit KI zu tun

Je länger ich über diesen Kommentar nachgedacht habe, desto mehr hatte ich das Gefühl, dass es dabei eigentlich gar nicht um künstliche Intelligenz geht.

Es geht vielmehr um die Angst, dass die eigene Arbeit weniger wert werden könnte.

Um die Sorge, dass Erfahrung plötzlich keine Rolle mehr spielt.

Und vielleicht auch um die Frage, ob all die Zeit, die wir in unsere Kreativität investieren, am Ende noch gesehen wird.

Das sind Fragen, die ich durchaus nachvollziehen kann. Denn wer kreativ arbeitet, zeigt immer auch ein Stück von sich selbst. Egal ob man Designs entwickelt, Strick -und Häkelanleitungen schreibt, fotografiert, zeichnet oder gestaltet.

Man steckt Ideen, Zeit, und Erfahrung hinein und manchmal auch Nerven. Und natürlich fühlt sich der Gedanke unangenehm an, dass jemand diese Arbeit einfach übernimmt oder kopiert. Nur ist das leider kein Problem, das erst mit KI begonnen hat.


Kann KI eigentlich das, was ich als Designerin mache?

Das ist die Frage, die mir in letzter Zeit am häufigsten begegnet. Und ehrlich gesagt: Die kurze Antwort wäre „ja, teilweise“. Die längere Antwort ist da wesentlich interessanter.

KI kann inzwischen erstaunlich viel. Sie kann Muster erkennen, Inhalte kombinieren, Vorschläge machen und auch Dinge erzeugen, die auf den ersten Blick ziemlich überzeugend aussehen. Auch im Bereich Design und sogar bei Strick- und Häkelanleitungen.

Und genau da wird es spannend.

Denn eine Anleitung besteht nicht nur aus Maschenzahlen, Zu- und Abnahmen oder einer hübschen Skizze am Ende. Eine gute Anleitung entsteht oft lange bevor die erste Zeile aufgeschrieben wird. Sie beginnt mit einer Idee, die manchmal großartig erscheint und manchmal schon nach den ersten Reihen wieder verworfen wird. Wer selbst entwirft, weiß, dass zwischen „Das wird toll!“ und „Warum habe ich mir das eigentlich ausgedacht?“ oft nur wenige Stunden liegen.

Und vor allem beim Feststellen, dass etwas, das theoretisch perfekt aussieht, praktisch überhaupt nicht funktioniert. Das ist der Teil, den man nicht sieht, wenn man nur das Endergebnis betrachtet. Denn kreative Arbeit ist nichts Abstraktes. Sie entsteht nicht aus dem Nichts und meistens auch nicht auf Knopfdruck. Sie entsteht aus Erfahrung, aus Fehlern, aus Versuchen, aus Umwegen und manchmal auch aus dem Mut, eine Idee wieder loszulassen, obwohl man gestern noch überzeugt war, dass sie großartig ist. Wer kreativ arbeitet, weiß, dass zwischen einer ersten Idee und einem fertigen Design oft Welten liegen. Und gelegentlich auch drei Tassen Tee.

 

Was KI nicht versteht und wahrscheinlich auch nicht so schnell verstehen wird

Natürlich kann KI ein Lochmuster analysieren oder erkennen, wie ein Raglan aufgebaut ist. Sie kann sogar erstaunlich überzeugende Vorschläge machen. Aber sie weiß nicht, wie sich ein Garn verhält, das nach dem Waschen plötzlich ein Eigenleben entwickelt. Sie weiß auch nicht, warum manche Formulierungen in einer Anleitung glasklar erscheinen und Teststrickerinnen trotzdem an genau derselben Stelle Fragen stellen.

Aber sie hat kein Gefühl für den Moment, in dem etwas plötzlich von „das funktioniert nicht“ zu „jetzt passt es“ wird. Sie kennt keine Frustration nach dem dritten Fehlversuch. Sie kennt keine Freude, wenn eine Anleitung endlich so funktioniert, dass jemand anderes sie problemlos nacharbeiten kann. Und sie kennt auch nicht dieses stille Feedback, wenn jemand schreibt: „Ich habe mich zum ersten Mal an ein großes Projekt gewagt und es hat geklappt.“

Das klingt vielleicht romantisch, aber genau das ist für mich der Kern kreativer Arbeit. Nicht das Erstellen von Inhalten, sondern das Verstehen von Menschen, die diese Inhalte nutzen.

 

Warum ich keine Angst vor KI habe und trotzdem ruhig bleibe

Bevor das falsch verstanden wird: Ich nutze KI. Aber nicht als Ersatz für meine Arbeit. Eher wie ein sehr schneller Gesprächspartner, den ich fragen kann, wenn ich einen Gedanken sortieren möchte oder wenn ich eine Richtung für etwas suche. Ich nutze sie für Recherche, für Struktur, manchmal für erste Ideen. So wie man früher vielleicht ein Notizbuch aufgeschlagen hat oder eine Suchmaschine benutzt hat.

Aber die Entscheidung, was daraus wird, treffe immer noch ich. Das bleibt auch wichtig, weil genau dort der Unterschied liegt. Zwischen Unterstützung und Abgabe der Verantwortung.

Ich glaube auch nicht, dass kreative Arbeit verschwindet. Ich glaube eher, dass sie sich verändert und das tut sie nicht zum ersten Mal. Vielleicht liegt der entscheidende Punkt gar nicht in der Frage, ob KI etwas ersetzen kann. sondern darin, was Menschen am Ende wirklich suchen. Und ich glaube nicht, dass das nur perfekte Ergebnisse sind.

Menschen suchen Orientierung, Vertrauen, Persönlichkeit und eine Stimme, der sie glauben. Und das ist etwas, das nicht einfach automatisiert entsteht.

Vielleicht ist genau das der Grund, warum ich trotz aller Diskussionen ziemlich entspannt auf das Thema schaue. Natürlich wird sich unsere Arbeit verändern. Das hat sie schon immer getan. Aber solange Menschen nicht nur nach Informationen suchen, sondern nach Erfahrungen, nach Austausch und nach jemandem, der denselben Weg schon einmal gegangen ist, mache ich mir um kreative Arbeit keine allzu großen Sorgen.

Und falls doch irgendwann eine KI meine Strick- und Häkelanleitungen besser schreiben sollte als ich, dann hoffe ich wenigstens, dass sie auch weiß, wie oft man eine gute Idee wieder aufribbeln muss, bevor sie wirklich gut wird.

Vielleicht ist das am Ende die eigentliche Antwort auf den Kommentar, der diesen Beitrag ausgelöst hat: Ja, die Welt verändert sich, Technologien verändern sich und Werkzeuge verändern sich. Aber Kreativität war noch nie nur eine Frage der Werkzeuge. Sie entsteht dort, wo Erfahrung, Neugier und Persönlichkeit aufeinandertreffen und deshalb sehe ich der Zukunft zwar mit Respekt, aber vor allem mit Neugier entgegen. Mit einer Tasse Tee in der Hand und ziemlich vielen Ideen im Kopf.

Mehr lesen

Die Clean Color Methode...
Kreativecke

The Clean Color Method...

Do you know that feeling? You just want to add a small highlight to your knitting…and suddenly, there's a second strand running across half the project again like a Christmas garland with aggressi...

Read more